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aus Westfalenpost vom 19.11.2004
"Wir brauchen Vorbilder"
Meschede. Noch nie hat es so einen Andrang beim Volksbank-Dialog gegeben. 700 Zuhörer strömten in die Stadthalle zum Vortrag von Peter Hahne, dem stellvertretenden Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios in Berlin. Sein Thema: "Das Ende der Spaßgesellschaft - Deutschland ohne Wert(e)?". Die WP sprach mit dem Moderator.


WESTFALENPOST: Warum glauben Sie an das Ende der Spaßgesellschaft?

Hahne: Weil die Frage nach Werten und Toleranz neu gestellt und beantwortet werden muss. Die flache, platte Spaßgesellschaft ist am Ende. Nicht zuletzt die Terroranschläge von New York und Madrid, das Massaker in Erfurt und das jüngste Attentat in Holland sind die Folgen einer Gesellschaft, die Gott den Abschied gegeben hat.

WP: Was kritisieren Sie an der Spaßgesellschaft?

Hahne: An die Stelle von "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" sind "Freizeit, Gleichgültigkeit, Liederlichtkeit" getreten. Das Böse und das Kriminelle werden bagatellisiert. Selbstverwirklichung steht oben an, es gibt kaum noch anerkannte Werte und Normen, dafür aber Maßlosigkeiten auf allen Gebieten.

WP:

Nennen Sie uns bitte ein Beispiel.

Hahne: In Deutschland gibt es eine Di-Mi-Do-Gesellschaft. Wirklich gearbeitet wird nur von Dienstag bis Donnerstag. Am Freitag wird bereits jenes erlebnisreiche Wochenende vorbereitet, von dem man sich dann am Montag wieder erholen muss. In einer solchen Gesellschaft haben Ordnungen, Danken und Dienen keinen Stellenwert mehr. Es gibt eine falsche Toleranz gegenüber allem und jedem, alles wird gleichgültig betrachtet. Die meisten schreiben Toleranz mit Doppel-L: Sie finden alles toll, aber haben keinen Standpunkt.

WP: Wie würden Sie Deutschland zurzeit charakterisieren?

Hahne: Keine andere Kultur sägt so intensiv an dem Ast, auf dem sie sich befindet und kein Land hat sich so gründlich von seiner Identität verabschiedet wie Deutschland. Zwar haben wir die reichste Erbengeneration aller Zeiten, jenseits der materiellen Werte sind wir aber bettelarm.

WP: Was muss aus Ihrer Sicht geschehen?

Hahne: Das von christlichen Grundwerten geprägte Europa muss sich auf seine Werte zurückbesinnen und sie seinem Handeln zugrunde legen. Wer Werte hat, hat Wohlstand und Zukunft. Und die Zukunft gehört dem, der der nachfolgenden Generation Grund zur Hoffnung gibt. Statt Vorschriften brauchen wir Vorbilder, weil Werte mehr als Worte sind.

Den Text fasste Oliver Eickhoff zusammen.


Das Buch zum Vortrag "Schluß mit lustig - das Ende der Spaßgesellschaft" zugunsten der Dresdner Frauenkirche gibt es weiterhin in der Volksbank sowie im Buchhandel.
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